Almir Hodzic ist als Vertriebsmitarbeiter viel unterwegs. In vier Jahren fuhr er 200.000 Kilometer – rein elektrisch. Inzwischen beschafft sein Arbeitgeber nur noch Elektroautos. Und Almir Hodzic sagt: „Mit dem E-Auto habe ich mehr Geld in der Tasche.“
Elektrischer Dienstwagen
Vertriebler im E-Auto: „Ich will nichts anderes mehr fahren“
5 Minuten
Als Almir Hodzic 2022 einen neuen Job anfing, steckte sein Arbeitgeber im Umbruch. Der Chef hatte beschlossen: Ab jetzt sind alle neuen Dienstwagen Elektroautos. „Ich durchlebte gefühlstechnisch Höhen und Tiefen“, erinnert sich Almir Hodzic. Er staunte über beeindruckende Beschleunigungsvideos – und fragte sich im nächsten Moment: Schaffe ich es, jeden Tag rein elektrisch zu diversen Kunden zu fahren?
Er schafft es problemlos. Sein Zwischenfazit: „Ich will nichts anderes mehr fahren als ein E-Auto.“ Auch bei einigen einst skeptischen Kolleginnen und Kollegen sind die Zweifel verflogen. Im deutschen Fuhrpark des Mittelständlers Eltako sind inzwischen rund 60 batterieelektrische Fahrzeuge.
Kritik am E-Auto entsteht oft aus Unwissenheit
Almir Hodzic wundert sich, warum Gerüchte über Elektroautos so lange kursieren, auch wenn sie mit der Realität nichts zu tun haben. Ständig laden? Mit leerer Batterie liegen bleiben? Wer ein E-Auto selbst (er)fahren würde, sagt er, stelle diese Fragen nicht mehr. Den Dauerzweiflern entgegnet der Duisburger regionaltypisch direkt: „Du kommst immer an dein Ziel, sofern du nicht komplett auf’n Kopp gefallen bist.“
Zwischenstopp in Gelsenkirchen-Nord: An dem Deutschlandnetz-Standort können 12 Fahrzeuge mit bis zu 400 kW laden. Moderne E-Autos laden hier in einer kurzen Fahrpause hunderte Kilometer Reichweite nach.
Der Alltag: Almir Hodzic fährt zu knapp 70 Elektrogroßhandlungen im Westen von Nordrhein-Westfalen, um die Produkte seines Arbeitgebers zu präsentieren. Auch Besuche bei Elektrobetrieben und Endkunden gehören dazu. Teilweise liefert er dringend benötigte Ersatzteile oder leistet spontan technische erste Hilfe vor Ort.
Diese Vorteile hat ein E-Auto als Dienstwagen
● Angestellte wie Almir Hodzic sparen Steuern. Sie müssen statt 1 Prozent nur 0,25 Prozent des Auto-Listenpreises als geldwerten Vorteil bei der Lohnsteuer ansetzen, sofern sie es auch privat nutzen. Dies gilt für bis zu 100.000 Euro teure E-Firmenwagen. Almir Hodzic hat dadurch nach eigenen Angaben jährlich 2.400 Euro mehr Netto als mit einem Benziner oder Diesel.
● Elektroautos kosten bis 2035 keine Kfz-Steuer. Dies gilt bei Zulassung bis Ende 2030.
● Unternehmen können die „Turbo-Abschreibung“ anwenden. Im ersten Jahr lassen sich 75 Prozent der Anschaffungskosten eines E-Autos steuerlich abschreiben.
● Inspektionskosten sind geringer, ergab eine 2026 veröffentlichte Erhebung des ADAC. Elektroautos haben in Motor und Getriebe weniger Bauteile, auch der klassische Ölwechsel entfällt.
● Betriebskosten sind niedriger, wenn man zu Hause oder am Firmenstandort laden kann.
● Leasingangebote: Wegen der „Turbo-Abschreibung“ und gesparter Kfz-Steuer finden Unternehmen häufig attraktive Konditionen für E-Autos.
Almir Hodzic lädt über Nacht zu Hause, mal bei Kunden während eines Termins und teils auch unterwegs – vor allem, wenn er sein Auto abends noch privat braucht. „Aber selbst am Lieblingsrestaurant, das ich manchmal mit meiner Familie besuche, gibt es Ladesäulen.“ Almir Hodzic ist inzwischen so routiniert, dass er kaum noch plant. „Auf längeren Fahrten vertraue ich inzwischen völlig auf die Ladeplanung vom Navi und auf die vorhandene Ladeinfrastruktur unterwegs.“
Das E-Auto lädt meist, wenn es ohnehin steht
Falls die Ladepause unterwegs stattfindet, wird die Ladezeit zur Schreibtischzeit. Das Auto ist auch ein rollendes Büro. An der Ladesäule bearbeitet Almir Hodzic seine E-Mails oder protokolliert sein vorheriges Kundengespräch. „Ich mache zwei, drei Sachen, die ich dann abends nicht mehr erledigen muss.“
Die Mittelarmlehne als Mousepad: Almir Hodzic nutzt die kurze Ladepause zum Arbeiten.
Über die Jahre hat er beobachtet, wie sich die Elektromobilität im Straßenbild etablierte. Es gebe sichtbar mehr E-Autos und Ladesäulen. „Ich finde immer Platz an den Ladestationen und habe selten Probleme. Ein Ladeabbruch passiert fast gar nicht mehr.“ Auch andere Autofahrende seien routinierter geworden. „Die Zeit an der Ladesäule war früher Social Media im echten Leben, weil man so viel beobachten konnte. Die Leute standen dort: ‚Wie mache ich das? Welche Ladekarte nehme ich?‘ Das ist heute nicht mehr so – die Leute kommen wunderbar mit dem Laden klar.“
Tipps für Ihren elektrischen Firmenwagen
● Zu Hause laden: Installieren Sie ein eigenes Ladegerät, eine sogenannte Wallbox, falls Sie im Eigenheim wohnen. Sprechen Sie mit dem Vermieter über Möglichkeiten, falls Sie auf einer gemieteten Fläche parken.
● Am Arbeitsplatz laden: Fragen Sie Ihren Arbeitgeber nach Lademöglichkeiten am Standort – insbesondere dann, wenn Sie zu Hause nicht laden können.
● Unterwegs laden: Sparen Sie sich extra Wege und bauen Sie das Laden zeitsparend in Ihren Alltag ein. Das Auto steht vor dem Restaurant, dem Kino oder am Supermarkt – perfekt zum Nebenbei-Laden.
● Im Deutschlandnetz laden: Am Schnelllader füllen Sie die Batterie in etwa 20 Minuten. Das Deutschlandnetz schafft mehr als 9.000 Ladepunkte an 1.000 Standorten. Die kurze Ladezeit ist Essenszeit – oder „Biopause“. Und schnell vorbei.
Einstecken, laden, andere Dinge tun: Almir Hodzic behält den laufenden Ladevorgang jederzeit über sein Handy im Blick und muss daher nicht am Fahrzeug bleiben.
Der Firmenwagen lädt auch zu Hause
Bei Almir Hodzic hängt eine Wallbox direkt am Wohnhaus. Das Ladegerät hat einen eingebauten Zähler, die Stromkosten rechnet er als Spesen bei seinem Arbeitgeber ab. Dadurch wächst das Bewusstsein für den Energieverbrauch. Einerseits sagt er: „Ein Elektroauto hat Bumms. Und da stehe ich ja schon ein bisschen drauf.“ Anderseits: „Mein Fahrverhalten ist durch das Elektroauto ruhiger geworden.“
Mit „Bumms“ und Bedacht: Almir Hodzic genießt die Beschleunigung, fährt aber sparsam.
Almir Hodzic fährt elektrisch – auch für die Zukunft seiner Kinder
Das neue Energiebewusstsein hat eine Kettenreaktion ausgelöst. Almir Hodzic nutzt inzwischen einen variablen Stromtarif, um dann zu laden, wenn es günstig ist. Bald kommt eine Solaranlage aufs Dach, um den selbst produzierten Strom zu laden. Energie ist im Hause Hodzic ein Gesprächsthema: Sein neunjähriger Sohn macht sich bereits viele Gedanken um die Umwelt. Auch aus Verantwortung ihm gegenüber, sagt Almir Hodzic, treibt er seine persönliche Antriebs- und Energiewende voran.