Tipps vom Experten – und Oma Magrit

Wie gelingt meine erste Fahrt im Elektroauto?

30. Jan 2026

4 Minuten

Eine ältere Frau in einem pinken Mantel und eine jüngere Frau in einer olivgrünen Jacke sitzen gemeinsam im Elektroauto. Es sind Oma Magrit und Enkelin Lilli. Magrit blickt konzentriert nach vorne, während Lilli lächelnd zur Seite blickt.

Die Anzahl der E-Autos auf deutschen Straßen wächst. Das bedeutet auch: Immer mehr Menschen erleben ihr erstes elektrisches Mal. Wir haben Oma Magrit dabei begleitet und einen Fahrtrainer gefragt: Wie können sich Autofahrende vorbereiten?

„Wie von Zauberhand“ fährt das „Raumschiff“ los. Oma Magrit kommt aus dem Staunen nicht heraus, als sie den Fuß von der Bremse nimmt und das Elektroauto beinahe geräuschlos anrollt. „Ist der jetzt schon an?“, fragt die 67-Jährige. Enkelin Lilli blickt entspannt aus dem Fenster und sagt: „Ja, Oma, du fährst ja schon.“

Video: Die ersten Meter im E-Auto mit Oma Magrit

Wir haben Magrit auf ihre allererste Fahrt mit einem Elektroauto geschickt. Lilli und einige Kameras haben sie dabei durch Norddeutschland begleitet:

Erstes Mal Elektroauto: Fünf Tipps vom Fahrsicherheitstrainer

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Klick im Internet? Oder Ihr erstes Smartphone? Was zunächst aufregend scheint, wird ganz schnell Alltag. So ist es auch, wenn man sich wie Magrit nach vielen Autofahrer-Jahren das erste Mal in ein E-Auto setzt.

Ein lächelnder Mann in schwarz-gelber ADAC-Jacke steht auf einem Parkplatz vor einer Reihe geparkter Autos bei grauem Wetter. Es ist Lennart Schaub.

Lennart Schaub schult E-Autofahrende in den Fahrsicherheitszentren des ADAC. (Foto: ADAC Hessen-Thüringen e.V.)

Wir haben Fahrsicherheitstrainer Lennart Schaub gefragt: Wie gelingt die allererste Fahrt im Elektroauto? Vorab: Ein extra Training ist nicht notwendig – kann aber das persönliche Sicherheitsgefühl steigern. Hier sind die Hinweise von Lennart Schaub:

  • Nicht aufs Gehör verlassen: „Wenn Sie ins Elektroauto steigen, hören Sie: nichts. Es gibt kein Motorengeräusch. Trotzdem ist ein E-Auto startklar. Lassen Sie sich davon nicht beirren. Drücken Sie den Start-Knopf, betätigen Sie das Bremspedal und legen Sie den Gang ein, dann vorsichtig das Fahrpedal drücken.“

  • Behutsam beschleunigen: „Stellen Sie sich auf eine sportliche Beschleunigung ein, auch bei elektrischen Kleinwagen. Das Drehmoment ist bei einem Elektroauto sofort verfügbar. Wenn Sie aufs Gas drücken, werden Sie in wenigen Sekunden bei 50 Stundenkilometern sein. Also bitte: Vorsicht!“

  • Rekuperation nutzen: „Elektroautos können mit dem Motor bremsen. Sie wandeln die Bewegungsenergie in elektrische Energie um, das nennt sich Rekuperation. Wenn Sie vom Gas gehen, spüren Sie ein leichtes Bremsen – ungewöhnlich, wenn Sie sonst das Fahrzeug immer ausrollen lassen. Bei vielen E-Autos können Sie die Rekuperation in Stufen einstellen. Einige Modelle haben die Fahrmodi D (Drive) mit wenig Rekuperation und B (Brake) mit mehr Rekuperation.“

  • Keine Sorge vor dem Bremsweg: „Elektroautos wiegen wegen ihrer Batterien mehr. Sie haben aber keinen längeren Bremsweg als Verbrenner, da die Bremsanlagen entsprechend auf das Fahrzeuggewicht ausgelegt sind.“

  • Mit dem Touchscreen vertraut machen: „Viele moderne Autos setzen auf einen Bildschirm statt auf Knöpfe, ganz unabhängig von der Antriebsart. Daran müssen Sie sich vor allem dann gewöhnen, wenn Sie eine Lesebrille benötigen. Sie sollten sich vor der Fahrt mit dem Bildschirm vertraut machen und, für die Verkehrssicherheit, auch Ihre Brille anpassen.“

Eine ältere Frau im pinken Mantel und eine jüngere Frau in olivgrüner Jacke geben sich neben einer schwarzen Schnellladestation ein High-Five; ein dunkles E‑Auto lädt. Es sind Oma Magrit und Enkelin Lilli. Im Hintergrund stehen Bäume und Häuser.

Erfolgreich geladen! Oma Magrit und Enkelin Lilli hatten sich das erste Mal Laden an einer Schnellladesäule deutlich schwieriger vorgestellt.

Eine ältere Frau in einem pinken Mantel und eine jüngere Frau in einem beigen Teddyfell-Mantel gehen lachend und sich anblickend über einen Jahrmarkt. Es sind Oma Magrit und Enkelin Lilli. Im Hintergrund sind Karussells und bunte Lichter zu sehen.

Nach der ersten E-Auto-Fahrt geht es für die beiden auf den Hamburger Dom und damit ins nächste „Raumschiff“.

Alltag im E-Auto: So sparen Sie Energie und schonen die Reifen

Schon nach einigen Minuten im Auto wird klar: Wer fahren kann, gewöhnt sich auch problemlos an das Elektroauto. Und damit beginnt Lektion 2 – Tipps für den Alltag. Lennart Schaub leitet im ADAC-Fahrsicherheitszentrum Rhein-Main regelmäßig Kurse für Menschen, die bereits mit eigenem E-Auto unterwegs sind. Den Fortgeschrittenen gibt Lennart Schaub folgende Tipps:

  • Neues „Tankverhalten“ lernen: „Benzin- und Dieselfahrzeuge werden häufig leer gefahren und dann vollgetankt. Ein E-Auto lädt häufig zwischendurch: zu Hause, auf der Arbeit oder vor dem Supermarkt, wenn es sich gerade anbietet. Halten Sie den Ladestand möglichst zwischen 20 und 80 Prozent: In diesem Bereich funktioniert das Laden am effizientesten und die Batterie wird weniger beansprucht.“

  • Mit nur einem Fuß fahren: „Viele E-Autos rekuperieren bis zum Stillstand. Dann brauchen Sie die klassische Bremse kaum noch – und nutzen nur das Fahrpedal. Man nennt es deshalb auch One-Pedal-Driving. Nehmen Sie bei hoher Rekuperation den Fuß nicht komplett vom Fahrpedal, sonst wird das Auto stark verzögern.“

  • Energie sparen per Gaspedal: „Mit der Rekuperation können Sie bis zu 22 Prozent der eingesetzten Energie in den Akku zurückspeisen. Damit erhöhen Sie die Reichweite, sparen Energie, Geld und häufig den Austausch der mechanischen Bremsen, weil sie nicht beansprucht werden.“

  • Gefühl für den Verbrauch entwickeln: „Beim Elektroauto messen Sie den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh) auf 100 Kilometern. Im Winter und auf der Autobahn ist der Verbrauch höher. Beobachten Sie den Verbrauch, um ein Gefühl zu entwickeln. Werte um 11 bis 13 kWh gelten als niedrig und 24 bis 26 kWh als viel.“

  • Vertrauen in die Reichweite aufbauen: „Neulinge im E-Auto sollten das Navigationssystem nutzen, um zu prüfen, mit wie viel Prozent Batterie sie am Ziel ankommen. Vergleichen Sie die Prognose mit der Realität. Beachten Sie, dass sich die Prognose häufig auf Erfahrungswerte stützt. Ist das Auto vorher behutsam in der Stadt bewegt worden, ist die Prognose womöglich sehr optimistisch.“

Auch Magrit stellt schon auf ihrer ersten Fahrt anerkennend fest: „Der hat ja richtig Wumms.“ Gemeinsam mit Enkelin Lilli kurvt sie über norddeutsche Landstraßen. Lilli findet unterwegs einen Deutschlandnetz-Schnelllader – und bezahlt an der Ladesäule einfach mit Karte. „So entspannt hätte ich mir das nicht vorgestellt“, sagt Magrit.

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