Jonas Dross‘ Leidenschaft: Autos mit Sound und Geschichte. Dann fuhr er das erste Mal elektrisch – und verliebte sich neu. Wie ein bekennender „Petrolhead“ den Umstieg aufs E-Auto erlebt.
Vom Petrolhead zum E-Mobilisten
Jonas hat Benzin im Blut – und liebt sein Elektroauto
5 Minuten
Das neue Fahrgefühl wird Jonas Dross erstmals im Hotelzimmer bewusst. Rund 600 Kilometer Autobahn liegen hinter ihm – von seiner Wohnung in Mannheim zum Hauptsitz seines Arbeitgebers nahe Hamburg. Viel Verkehr, Lastwagen, Baustellen. Und Jonas Dross liegt abends im Bett des Hotels und fragt sich: „Warum bin ich denn so entspannt?“
Die Antwort ist sein neues Auto: Seit 2025 ist er im Alltag rein elektrisch mit einem sportlich-schwarzen Flitzer unterwegs. Plötzlich: absolute Ruhe statt Motorengeräusche, nahtlose Beschleunigung statt Schaltpausen. Dadurch sei nicht nur das Fahrgefühl komfortabler geworden, sondern auch sein Fahrstil, erzählt er.
Komfort auch an der Ladesäule: Jonas Dross gönnt sich beim Zwischenstopp einen Espresso.
Jonas Dross‘ Fahrweise hat sich – unbewusst und automatisch – dem Antrieb angepasst. Früher fuhr er „laut“: Er beschleunigte stark mit röhrendem Motor und verzögerte abrupt. Heute fährt er „leise“: Mit dem nahezu lautlosen Elektromotor bewegt er sich geschmeidig. „Ich bremse leichter, fahre lässiger und rekuperiere.“ Bei der Rekuperation wandelt ein Elektromotor die Bewegungsenergie in elektrische Energie um. Das bremst das Fahrzeug, ohne die mechanischen Bremsen zu nutzen, und lädt die Batterie auf.
Elektrisch fahren? Jonas genießt die kraftvolle Ruhe
Jonas Dross‘ neue E-Auto-Routine: Mit 130 Stundenkilometern, Spurhalteassistent und Abstandstempomat schwimmt er im Verkehr mit. Der Geräuschpegel ist im E-Auto beim Beschleunigen niedriger.
E-Auto auf der Autobahn: Sanft fahren spart Strom
Egal ob Elektro-, Benzin- oder Dieselmotor: Bei hohem Tempo verbrauchen alle Antriebsarten mehr Energie. Wer sein E-Auto am Limit fährt, büßt Reichweite ein. Doch wer entspannt und vorausschauend fährt, kommt weiter:
● Luftwiderstand wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. 200 km/h erzeugen deshalb einen massiv höheren Energiebedarf pro Kilometer als 130 km/h.
● Der Elektromotor arbeitet bei moderaten Geschwindigkeiten besser. Unter höherer Last wachsen die Energieverluste.
● Hohe Geschwindigkeiten erfordern hohe elektrische Ströme. Die internen Verluste steigen, die Batteriekühlung frisst weitere Energie.
● Wer schnell fährt, muss stark bremsen. E-Autos gewinnen dabei zwar Energie über die Rekuperation zurück, doch nicht im selben Maß, wie sie verbraucht wurde.
Ladepausen sind Entspannungs- und Arbeitszeit
Zwei kurze Stopps an Schnellladern sind auf Jonas Dross‘ Langstrecke von Mannheim in den Norden notwendig. „Diese Ladepausen habe ich schätzen gelernt, weil sie mich zusätzlich entschleunigen“, sagt er. „Außerdem schaue ich nun in den Pausen schon zweimal in die E-Mails, komme an und muss nichts mehr nachholen.“
Kurze Pause an der Autobahn: Jonas Dross lädt etwa 20 Minuten.
Jonas Dross ist aus Neugier auf ein Elektroauto umgestiegen. Er bat seinen Arbeitgeber bewusst, einen elektrischen Dienstwagen zu bestellen. „Ich halte nichts von Stammtischgeschwätz. Man muss es selbst testen. Und ich kann nach 20.000 Kilometern sagen: Ich möchte nicht mehr zurück zum Verbrenner“, sagt der gelernte Automobilkaufmann und KFZ-Betriebswirt.
Starke Worte von einem, der für Autos lebt. Jonas Dross‘ Vater arbeitet seit Jahrzehnten in einem Autohaus. „Ich saß in der ersten Schulklasse schon mit Autozeitungen am Tisch“, erinnert er sich. Werktags besucht er heute von Berufs wegen Autohäuser – für seinen Arbeitgeber Kroschke, ein Dienstleister für die Zulassung von Fahrzeugen.
2019 kaufte er sich privat einen Porsche 911 – um ihn „artgerecht“ im benachbarten Odenwald zu bewegen, wie er sagt. Das macht er immer noch, allerdings nur noch sonntags im Sommer. Der Sportwagen, Baujahr 1998, ist ein reines Freizeitauto für Ausfahrten „mit den Jungs“ und steht meistens in einer Tiefgarage.
Verbrenner im Winterschlaf: Jonas Dross besitzt noch einen Beinahe-Oldtimer, fährt im Alltag aber ausschließlich elektrisch.
Elektrisch fahren – für Jonas ebenso emotional
Aus vielen Gesprächen weiß er: Die Vorbehalte gegen Elektromobilität halten sich hartnäckig. Etwa das Argument, E-Autos seien weniger emotional. Jonas Dross muss lachen, wenn er das hört. „Das sagen Menschen, die einen Vierzylinder Diesel fahren. Ich weiß nicht, wer da Emotionen verspürt. Ich nicht.“ Emotional hingegen sei für ihn die pure Performance seines Elektroautos mit 428 PS, die es geräuschlos auf die Straße bringt.
Jonas Dross will aber auch die Nachteile im Elektroauto-Alltag nicht verschweigen. Beispielsweise blockierte Ladesäulen. Immer wieder sehe er Autos, die ohne zu laden am Kabel hängen. Oder zugeparkte Ladesäulen. „Da müsste aus meiner Sicht direkt abgeschleppt werden. Ich parke ja auch nicht die Einfahrt einer Tankstelle zu.“
Laden im Deutschlandnetz: Jonas Dross verfolgt auf dem Display, wie seine Batterie immer voller wird.
Jonas‘ Wunsch: Mehr Übersichtlichkeit bei den Ladepreisen
Als überzeugter E-Auto-Fahrer wünscht sich Jonas Dross mehr Transparenz und Übersichtlichkeit bei den Ladepreisen, um die Angebote der verschiedenen Anbieter schnell und einfach vergleichen zu können. Die Bundesregierung hat die Herausforderung erkannt – und der Transparenz beim Laden mehrere Maßnahmen im neuen Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 gewidmet.
Jonas wohnt zur Miete und kann zu Hause nicht laden. Dennoch fügt es sich in seinen Alltag ein, zum Beispiel während er joggen geht. „Ich habe den Startpunkt meiner Joggingroute auf einen Parkplatz mit Ladesäulen verlegt.“ Während Jonas sich auspowert, zieht der Wagen einige Kilowattstunden neue Power. „Und wenn ich im Supermarkt bin, lädt das Auto dort auf dem Parkplatz.“ Das Aufladen und den Alltag verbinden – auch das motiviert Jonas Dross, weiter elektrisch unterwegs zu sein.