Sind Sie neu in der Elektroauto-Welt? Dann wollen Sie sicher ein gutes Bild abgeben. Unser Tipp: Verhalten Sie sich rücksichtsvoll – für ein nettes Miteinander an der Ladesäule.
Als Elektroautos noch Exoten auf den Straßen waren, bildeten ihre Fahrerinnen und Fahrer eine verschworene Gemeinschaft. Die Ladesäulen waren ihr Treffpunkt, sie waren unter sich und kannten sich aus. Diese Zeiten sind vorbei.
Jeden Monat steigen tausende Autofahrerinnen und -fahrer auf den komfortablen elektrischen Antrieb um. Deshalb wächst auch das Publikum an öffentlichen Ladesäulen. Was sollten Neulinge, aber auch erfahrene E-Autofahrende beachten – für mehr Respekt und ein besseres Miteinander an Ladepunkten?
Erste Ladung vorbereiten: Typ-2-Stecker an Bord, CCS vor Ort
Kurzes Aufatmen zum Anfang: Wenn Sie in Deutschland ein Elektroauto mieten, leasen oder kaufen, benötigen Sie zum Aufladen kein Studium der Elektrotechnik. Sie können grundsätzlich ihren privaten und jeden öffentlichen Ladepunkt nutzen – und müssen niemanden nach Adaptern fragen. In Europa inklusive Großbritannien und der Schweiz haben sich zwei Stecker durchgesetzt:
Typ 2: Dieser Stecker ist mitsamt Kabel üblicherweise in jedem Elektroauto vorhanden. Die meisten verwahren die Stecker-Kabel-Kombi im Kofferraum oder im „Frunk“, dem Front-Kofferraum. Autos können damit sogenannte Normalladepunkte nutzen, die meistens 11 oder 22 Kilowatt (kW) Ladeleistung bieten.
CCS: Er eignet sich zum Schnellladen, an allen Standorten des Deutschlandnetzes mit bis zu 400 kW. Schnellladesäulen haben immer fest montierte Kabel und CCS-Stecker.
Das erste Mal bezahlen: per App, Ladekarte oder Kreditkarte
Viele E-Autos bringen Sie über das eingebaute Navigationssystem bequem zur nächsten Ladesäule. Dort müssen Sie den Ladevorgang selbst starten und bezahlen. Darüber, wie das Bezahlen individuell am besten funktioniert, informiert man sich idealerweise vor Fahrtantritt über Apps. Über das sogenannte Ad-hoc-Laden ist das Laden auch ohne vorherige Anmeldung und Ladekarte möglich.
Fürs Bezahlen an der Ladesäule gibt es drei Methoden:
Ladekarten im Format einer Kreditkarte sind weit verbreitet. Private Unternehmen geben sie aus und rechnen den Ladevorgang ab – vergleichbar mit Tankkarten, die Firmen ihren Mitarbeitenden geben. Sie halten die Ladekarte üblicherweise an einen Kontaktpunkt an der Ladesäule, um den Ladevorgang zu starten.
Lade-Apps fürs Handy funktionieren nach demselben Prinzip – mit dem praktischen Bonus, dass sie Sie auch gleich zur nächsten Ladesäule navigieren.
Kreditkarten und Girokarten werden an immer mehr Ladepunkten akzeptiert. Auch an allen Deutschlandnetz-Standorten können Sie ohne extra Ladekarte oder App beim Ad-hoc-Laden direkt bezahlen. Zu Beginn des Ladevorgangs reserviert das System automatisch einen kleinen Geldbetrag – das ist normal und kein Grund zur Sorge.
Geben Sie Schnelllader auch schnell wieder frei
Es klingt banal, sorgt aber immer wieder für Missverständnisse: Ein Parkplatz an einer Ladesäule ist kein genereller E-Auto-Parkplatz. Er ist in der Regel mit einem Schild „Elektrofahrzeugen während des Ladevorgangs“ zugewiesen.
Ladeparks mit Schnellladesäulen sind wie Tankstellen konzipiert: kurz laden und weiterfahren. Also halten Sie lieber einen zehnminütigen Powernap, als einen ausgiebigen Mittagsschlaf. Denn wer dort für einen ausgedehnten Mittagsstopp oder einen Einkaufsbummel parkt, hält andere unnötig auf, die die Ladesäule auch kurz verwenden wollen. Nutzen Sie den Ladepunkt nach Abschluss des Ladevorgangs weiter als Parkplatz , kostet das extra: Betreiber verlangen häufig eine Blockiergebühr.
Das können Sie leicht vermeiden: Viele Elektroautos sind bestens vernetzt. Sie können den Ladevorgang live über die Fahrzeug-App auf Ihrem Handy beobachten. Sollten Sie nebenan im Café sitzen, werfen Sie einen Blick in die App. Ist das Fahrzeug voll oder nahezu vollgeladen? Dann gehen Sie kurz raus, parken um und genießen danach Ihren Kaffee weiter, während der Ladepunkt für andere frei ist. Mit gutem Gewissen, anderen Elektromobilisten geholfen zu haben.
Gehen Sie am Schnelllader lieber auf Abstand
Keine Angst vor anderen E-Autos! Aber an Schnellladesäulen lohnt es sich, den eigenen Wagen abseits anzustecken. Warum? Viele Schnellladesäulen haben zwei Kabel, können also zwei Ladevorgänge parallel bedienen. Doch beide Autos teilen sich in dieser Zeit die Ladeleistung.
Die Ladesäulen im Deutschlandnetz liefern bis zu 400 kW. Einige Autos können in der Spitze bereits so rasant laden. Stecken Sie dann Ihr Fahrzeug an derselben Säule an, halbiert sich die mögliche Ladeleistung – für Sie und für Ihren Nachbarn. Wählen Sie also, wenn möglich, einen Stellplatz an einer freien Ladesäule.
Verzichten Sie auf Reisen auf die letzten Prozente
Wenn Sie ein Elektroauto schnellladen, bemerken Sie die sogenannte Ladekurve: Das Auto lädt optimal im Fenster zwischen 20 und 80 Prozent. Ist die Batterie nahezu voll, verlangsamt sich das Tempo – die Kurve der Ladeleistung sinkt steil ab. Grund ist die Zellchemie des Akkus.
Steht eine lange Reise bevor, laden Sie zu Hause den Akku voll und unterwegs nur bis 80 Prozent. Denn jedes weitere Prozent kostet unnötig Zeit und wird zur Geduldsprobe - für Sie selbst und alle anderen, die den Ladepark nutzen wollen. Praktisch dabei: In modernen E-Fahrzeugen lässt sich ein Ladelimit bequem im Infotainmentsystem oder der App des Herstellers einstellen. Der Ladevorgang wird damit automatisch bei 80 Prozent gestoppt – und schon geht es zurück auf die Autobahn.
Machen Sie sich beim Laden nicht breiter als nötig
Beim Einparken fürs Laden gilt eine einfache Regel: so, dass der Nachbarstellplatz nutzbar bleibt. Je nach Fahrzeug sitzt die Ladebuchse vorne, hinten rechts oder hinten links. Wenn Sie platzsparend parken, behält Ihr Nebenmann oder Ihre Nebenfrau alle Optionen – und kann so einparken, dass die Ladebuchse nah an der Säule ist.
Barrierefreie oder überbreite Stellplätze sind für die gedacht, die sie wirklich brauchen. Falls Sie dazugehören: bitte Einparken. Falls nicht: Ein Platz weiter tut es auch.
Wenn‘s mal an der Säule hakt – Meldung machen!
Ist eine Säule defekt oder der Ladeplatz zugeparkt? Einmal kurz durchatmen und dann direkt melden. Bei defekten Säulen funktioniert das meist online oder über die Hotline des Betreibers. Für zugeparkte Ladeplätze ist das Ordnungsamt zuständig. Je nach Kommune können Sie die Behörde per Anruf oder Online-Meldung auf das Problem hinweisen.
Während des Ladens: Hilfreich sein
Jedem Anfang wohnt bekanntlich ein Zauber inne – und kleine Herausforderungen, die sich gemeinsam besser lösen lassen. Ein E-Auto-Neuling in der benachbarten Parkbucht tut sich schwer, den Ladevorgang zu starten? Ein anderer findet im elektrischen Mietwagen die Entriegelung der Ladebuchse nicht? Bieten Sie höflich Ihre Hilfe an! So kommen alle schnell und mit einem guten Gefühl an ihr Ziel.