Veröffentlicht am 3. Mai 2010
Heute, am 3. Mai, ist der internationale Tag der Pressefreiheit - und dies sollte für uns alle Anlass sein, uns einmal mehr vor Augen zu führen, dass ebendiese nicht weltweit garantiert ist. Im Gegenteil: An vielen Orten der Welt sind freie Meinungsäußerung und Übermittlung von Informationen nicht ohne weiteres möglich, sondern werden viel zu oft durch Unterdrückung und Zensur verhindert. Nach Informationen von Reporter ohne Grenzen wurden allein in diesem Jahr bereits neun Journalisten getötet und 165 inhaftiert. In Haft sitzen zudem 120 Online-Dissidenten. Einsamer Spitzenreiter bei der Verfolgung von Internetaktivisten ist China mit bereits 75 nachweislich Inhaftierten, mit deutlichem Abstand folgen Vietnam (17) und der Irak (15).
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Beim politischen Einsatz gegen Zensurmaßnahmen (nicht nur) im Internet geht es der Piratenpartei nicht nur darum, hierzulande auch zukünftig freien Informationszugang und freie Meinungsäußerung zu gewährleisten. Darüber hinaus ist es den Piraten wichtig, klar aufzuzeigen, dass einschneidende Maßnahmen in Deutschland und Europa auch die Kommunikationsmöglichkeiten von Menschen in unterdrückenden Regimen noch weiter beschneiden.
Wenn beispielsweise in der Bundesrepublik Deutschland DNS-Sperren zur Filterung bestimmter Inhalte etabliert werden, so können von diesen Sperren auch TOR-Server betroffen sein. Zensur bei uns hat damit deutlich drastischere, weitreichendere Auswirkungen, als viele vielleicht annehmen.
Tor ist ein offenes, über freie Software etabliertes Netzwerk, mit dem es möglich ist, sich anonym im Internet zu bewegen. So können Menschen - zum Beispiel auch aus repressiven Systemen heraus - anonym Daten weitergeben, die Meinungsfreiheit einschränkende Zensurmaßnahmen wie die "Great Firewall of China" umgehen und damit Zugang zu vom Regime verbotenen Informationen erlangen.
Hunderttausende weltweit benutzen das Tor-Netzwerk zur freien, anonymen Kommunikation, darunter Journalisten und Bloggende, politische Aktivisten und Menschen, die in Unterdrückung leben. »Journalisten nutzen Tor, um sicherer mit ihren Informanten und Dissidenten zu kommunizieren. Nichtstaatliche Organisationen (NGOs) nutzen Tor, damit ihre Mitarbeiter die Organisations-Webseite aufrufen können, während sie sich im Ausland befinden, ohne preiszugeben, dass sie für diese Organisation arbeiten.« (Quelle: http://www.torproject.org/overview)
Die Funktionsweise von Tor ist einfach: Die einzelne Verbindung wird verschlüsselt durch ein verteiltes Netzwerk von Servern geleitet. Diese Server, sogenannte Onion Router, die in der Regel von Privatpersonen betrieben werden, schützen die surfende Person vor Webseiten, die Interessenprofile erstellen, und vor "Lauschern", die den Datenverkehr abhören und dadurch erfahren, welche Webseiten besucht werden.
Unterdrückende Regime versuchen immer wieder, den Zugriff auf Netzwerke wie das Tor-Netz zu verhindern, indem sie bekannte Einwahlknotenpunkte in ihre Sperrlisten aufnehmen. Je mehr Einwahlpunkte es jedoch gibt, desto schwieriger wird es, entsprechende Zugänge zu sperren. Um die freie Meinungsäußerung zu unterstützen, ist es daher sinnvoll, dass sich möglichst viele Menschen aktiv für den Ausbau solcher freien Netze einsetzen und Tor-Server aufsetzen und betreiben.
Am einfachsten und selbst von Computer-Unbedarften leicht zu realisieren ist die Einrichtung einer so genannten Tor-Bridge, eines Brückenservers. Hierbei handelt es sich um Tor-Server, die noch vor den eigentlichen Einwahlknoten angesiedelt und nicht auf den eigentlichen Tor-Verzeichnis-Servern aufgelistet sind. Falls die bekannten Zugangsknotenpunkte zum Tor-Netzwerk von einem Standort aus gesperrt sind, so bleiben durch die unbekannteren Brückenserver dennoch Zugänge offen.
Für die Einrichtung eines solchen Brückenservers genügt es, sich das Tor-Konfigurationstool Vidalia (für Windows, MAC OS & Linux) herunterzuladen (https://www.torproject.org/easy-download.html.de) und in ein frei zu wählendes Verzeichnis auf dem eigenen Rechner zu extrahieren. Damit wird Tor als Anwendung installiert. Für die eigentliche Brücken-Installation muss nun zunächst das eben installierte Vidalia gestartet werden. Dazu wechselt man in das gerade bei der Extraktion erstellte Verzeichnis und startet den Tor-Browser. Nun klickt man in dem sich öffnenden Panel auf "Einstellungen" und trägt dort einen frei wählbaren Namen für den Brückenknoten sowie eine E-Mail-Adresse als Kontakt an (die Adresse muss nicht tatsächlich existieren). Danach muss man auf "Okay" klicken und anschließend Tor stoppen. Bereits beim erneuten Starten von Tor sollte die Brücke aktiv sein und sich automatisch im Brückenverzeichnis anmelden. Nun sollte man immer, wenn der entsprechende Rechner angeschaltet ist, den Tor-Browser starten, so dass die Brücke aktiv ist - und schon wird ein kleiner Beitrag zum Erhalt und zur weiteren Durchsetzung der Grund- und Menschenrechte geleistet.
Gerade heute, am internationalen Tag der Pressefreiheit, sollten wir uns die Bedeutung von freier Kommunikation bewusst machen - und sie mit dem Ausbau von freien Kommunikationszugängen unterstützen. In diesem Sinne: Macht das Tor auf, baut Brücken!
Links:
https://www.torproject.org/vidalia/
http://www.reporter-ohne-grenzen.de
http://en.rsf.org/press-freedom-barom ... mprisoned.html?annee=2010
Autoren dieses Artikels: Lena Rohrbach, Manuela Schauerhammer
Verantwortlich für den Inhalt dieses Artikels: Bundespressestelle der Piratenpartei Deutschland
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